Barcamp Karlsruhe 2011
An diesem Wochenende traf sich zum ersten Mal die deutsche Barcamp-Szene zum Barcamp Karlsruhe.
Für alle, die sich jetzt fragen: “Was ist denn bitte ein Barcamp?” hier eine kurze Erläuterung: Bei einem Barcamp handelt es sich um eine öffentliche, kostenlose Konferenz, die sich ausschließlich durch Sponsoren finanziert. Anders als bei “normalen” Konferenzen gibt es hier keinen im Voraus geplanten Ablauf, sondern man kann sich morgens freiwillig dazu melden, eine Session zu halten. Die Sessions werden dann auf die verfügbaren Räumlichkeiten und Zeitslots aufgeteilt und ein Plan auf einem Whiteboard oder ähnlichem zusammengestellt.
Der erste Tag des Barcamps war durchweg positiv. Es war alles sehr gut organisiert und moderiert, das Essen (Frühstück, Mittagessen, Kuchen und Abendessen) war sehr lecker, man konnte interessante Menschen kennenlernen und die Sessions waren motivierend, unterhaltsam und lehrreich.
Hier in ein paar kurzen Sätzen die wohl interessantesten Informationen, die ich aus den 5 Sessions ziehen konnte, die ich besucht habe:
Oliver Gassner (@oliverg) erläuterte seinen Zuschauern, wie man richtig bloggt. Wichtig sind vor allem Verlinkungen zu anderen Blogs, das Schreiben und Beantworten von Kommentaren, die Analyse von Suchanfragen und dass man sich und dem Thema seines Blogs treu bleibt.
Stefanie Kegel (@guerillagirl_) erzählte in knapp 10 Minuten etwas über Storytelling als Designtool und betonte vor allem, dass man den User aus seiner Anonymität befreit und ihm einen Namen und Charakterzüge verleiht. Mit einer bzw. mehreren kleinen Geschichten (Story) beschreibt man dann, welche Prozesse dieser Nutzer durchführen möchte. So kann man einen Satz von typischen Benutzern und ihren Aktionen identifizieren und beschreiben, und somit die Anforderungen an das Produkt konkretisieren.
Evgenij Terehov (@EugeneTerehov) veranschaulichte den Barcamp-Besuchern wie sich JavaScript zur Sprache für alles gewandelt hat und was mit node.js, couchDB und dem von ihm entwickelten jQuery.ajaxInterface in der heutigen Zeit alles erreichen lässt. Mithilfe von jQuery.ajaxInterface lassen sich Ajax-Updates auf Webseiten sehr einfach durch eine rein reklarative XML-Beschreibung ausführen.
Alex Talmon (@atalmon) präsentierte die 8 Totsünden der Selbständigkeit:
- keine Spielregeln (z.B. Verträge zwischen den Gesellschaftern)
- keine Planung / Strategie
- keine Kostenkontrolle (häufig werden Kosten wie z.B. Verzichtskosten vergessen)
- keine Preis- /Honorarstruktur (wichtig wären Milestonezahlungen und das Eintreiben von Forderungen)
- keine Verhandlungsstrategie (man muss den Wert der eigenen Dienstleitungen kennen)
- kein Prozessmanagement (Vorsicht: Deadline-Falle und Nachbesserungspflicht)
- kein Netzwerk / Team (Coworking Spaces bieten gute Gelegenheiten Netzwerke aufzubauen)
- keine Skalierbarkeit (z.B. in Bezug auf Team-Größe, Projekt-Größe)
Mit der Aussage “Home Office ist das Ende jeglicher Körperhygiene” stellte er auch eine meiner Meinung nach sehr gewagte These auf.
Julian Finn (@hdsjulian) erzählte ein bißchen aus dem Nähkästchen und gab ein paar Tipps, was man beachten sollte, wenn man mit Technologie auf Reisen geht. So sollte man seinen USB-Stick lieber nicht in fernen Ländern im Internet-Café anschließen, es sei denn, um seine Sammlung an exotischen Viren zu vervollständigen. Auch liefert der Tracking-Bedarf brauchbare Artikel, die das Reisen angenehmer machen (z.B. leichte und kompakte Kleidung, Handtücher, usw.). Auch sollte man darauf achten, was man auf seinem Smartphone speichert und sich darüber klar werden, was man alles löschen / sperren / ändern muss, wenn man es in Los Angeles im Taxi liegen lässt. Prinzipiell gilt bei Reisen mit Technologie aber: weniger ist mehr. Also lieber das iPad als den Laptop, lieber die Allwetterjacke als dreierlei Jacken für jede Gelegenheit, usw.
Im Anschluss an das Abendessen wurden noch einige Startups vorgestellt und bewertet, von denen spamfeed.me den ersten Platz belegte.
Leider konnte ich am zweiten Tag nur zwei Sessions besuchen, konnte aber über Twitter zum Glück die wichtigsten Informationen der anderen Vorträge mitverfolgen.
Bernhard K. offenbarte den Besuchern in der Session Sicherheit in öffentl. Netzen mit welch einfachen Mitteln der mehr oder weniger geübte Hacker / Cracker / Kiddie den gesamten Netzwerktraffic inklusive Passwörter mithören kann. Im einfachsten Fall muss man sich nur das passende Tool dazu installieren. Als Abhilfe gegen solche Angriffe und Schnüffeleien wird jedem dringlichst ans Herz gelegt, in öffentlichen Netzen wo möglich nur über HTTPS (verschlüsselt) zu surfen, eine VPN-Verbindung zu verwenden oder auch einfach mal nicht jedes noch so private Detail durch’s Netz zu schicken.
Tom Wendel (@bobstriker) zeigte trotz anfänglicher technischer Schwierigkeiten wie einfach und cool es sein kann, mit .NET, XNA und einer Kinect Spiele (z.B. für den PC) zu programmieren. Mit dem Visual Studio, ein paar Texturen und/oder 3D-Modellen, einer Kinect und etwas Wissen über Matrizen kann man in kürzester Zeit (45 Minuten) eine nur durch Bewegung gesteuerte 3D-Animation aus dem Hut, oder in diesem Fall aus dem DELL zaubern. Tom schafft es immer wieder, seine Zuhörer von Microsoft-Technologien zu überzeugen (was ihm vor einigen Wochen auf dem Karlsruher Entwicklertag auch sehr gut mit seinem Vortrag über Windows Phone 7 gelungen ist).
Insgesamt betrachtet waren beide Tage des Barcamps Karlsruhe ein voller Erfolg. Hiermit möchte auch ich mich nochmals bei der Orga und den Sponsoren für die gelungene Veranstaltung bedanken! Ich freue mich schon auf’s nächste Jahr!
Weiteres Feedback zum Barcamp gibt es übrigens auch hier:
http://www.happybuddha1975.de/barcamp-karlsruhe-2011
http://www.infobean.de/2011/06/barcamp_karlsruhe_2011.html
http://www.digi-info.de/blog/persoenliche-eindruecke-vom-barcamp-karlsruhe-18062011
http://hubert-mayer.de/2011/06/eindruecke-vom-barcamp-karlsruhe-2011
Und hier gibt es noch einige Eindrücke, die Philip auf Foto festgehalten hat.
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June 20th, 2011 - 22:54
Freue mich schon auf’s BarCamp 2012